Die Segeberger Schnapphähne und der Friede von Brömsebro (13. August 1645)

Grimmige zweiundzwanzig Monate wütete der Schwede im sogenannten Torstenson-Krieg bei uns im Holsteinischen und bis über Schleswig rauf ins Jütländische. In unserer Gegend, dem Landstrich zwischen Lübeck und Hamburg, kämpften wir Schnapphähne tapfer bis zuletzt! Am Ende waren von unseren sechs Rotten noch fünf übriggeblieben und kämpften bis zuletzt gegen die schwedischen Hunde. Was wir nicht wissen konnten: Bereits im Februar 1645 war es unter französisch-niederländischer Vermittlung zu ersten Friedensverhandlungen gekommen. Denn schon im Dezember des Jahres zuvor gelang es dem französischen Diplomaten Gaspard Coignet de la Thuillerie, die Kriegsgegner Schweden und Dennemark zur Unterzeichnung eines Vorvertrags zu bringen, wonach die Friedensverhandlungen im Februar 1645 in Brömsebro beginnen sollten. Als Verhandlungsführer wurden keine Geringeren als der verfluchte Reichskanzler Axel Oxenstierna auf schwedischer und der dänische Kanzler und Reichshofmeister Corfitz Ulfeldt ernannt, der später ebenfalls noch eine unrühmliche Rolle in unserem dänischen Königreich spielen sollte.

Reichskanzler von Schweden Axel Oxenstierna

Reichshofmeister und Kanzler von Dennemark Corfitz Ulfeldt

Während wir Schnapphähne tapfer den Kampf gegen die schwedische Übermacht in Holstein aufnahmen, fand ein erstes Treffen der Verhandlungsdelegationen bereits am 8. Februar 1645 statt. Von diesen Verhandlungen am Grenzstein der kleinen Insel Brömsebäck mitten in der skandinavischen Einöde erfuhren wir Schnapphähne natürlich erst sehr viel später, denn wer wusste damals schon etwas von einer Brücke über den kleinen Grenzbach Brömse, die das dänische Bleckinge und das schwedische Småland miteinander verband ...

Die „Brömsebro“ – Brücke über dem Grenzfluss Brömse 

zwischen Schweden (Småland) und Dennemark (Bleckinge)

Die Verhandlungen, an denen auf schwedischer Seite auch die Niederländer und als Vermittler die Franzosen teilnahmen, erstreckten sich bis in den Spätsommer 1645. Immer wieder ritt der Franzose de la Thuillerie zwischen der Unterkunft der Schweden in Söderåkra und der Unterkunft der Dänen in Kristianopel hin und her und vermittelte zwischen den beiden Kriegsgegnern, während der Krieg in den Herzogtümern (und in Schonen) immer weiter tobte. Am 13. August 1645 trafen sich die Vermittler erneut am Grenzstein auf der Insel, um endlich die von Dänenkönig Christian IV. und Schwedens Königin Christina I. genehmigten und unterzeichneten Friedensverträge auszutauschen.

Inschrift des Friedenssteins: „Erinnerung an den Frieden in Brömsebro - de la Thuliere
- Axel Oxenstierna – Corfitz Ulfeldt - Der Stein wurde 1915 errichtet“

Doch was für ein Frieden war das für unser Dennemark? 

Unser Königreich musste den verhassten Schweden die Zollfreiheit im Sund und die Freiheit vom Glückstädter Zoll zugestehen. Doch damit nicht genug! Schweden erhielt unsere Inseln Gotland und Ösel und die norwegischen Provinzen Jämtland und Härjedalen, darüber hinaus noch unsere dänische Landschaft Halland auf 30 Jahre als Pfandbesitz. Und so ging es böse weiter: Auf dem Festland behielt Schweden das von seinen Truppen besetzte Erzbistum Bremen und das Stift Verden – Besitzungen, die im Westfälischen Frieden drei Jahre später mit Wismar und Vorpommern endgültig zugeschrieben wurden. Im Ostseeraum war Schweden nun zur stärksten Macht geworden; unser König Christian IV. war dagegen nun vollständig aus dem norddeutschen Einflussbereich verdrängt und hatte alle Vorherrschaften über die Ostseehandelswege verloren.

Die Rotte der Segeberger Schnapphähne (2020)


Dennemark vor dem Friede von Brömsebro – alle farbigen Gebiete (hell- und dunkelrot) gehörten zum dänischen Königreich

Eigentlich stand es um Dennemark sogar noch schlimmer, denn der politische Einfluss Schwedens erstreckte sich jetzt sogar auf Schleswig und Holstein, da es der schwedischen Regierung gelungen war, Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorp von seinem Lehnsherrn, unseren König Christian IV. zu trennen.

Flagge von Schonen (heute):
Der rote  Untergrund weist auf die alte Beziehung zu Dänemark hin, das gelbe Kreuz auf die Zugehörigkeit zu Schweden

Mit dem Friede von Brömsebro (1645) kam zu Schweden (grün): Jämtland, Härjedalen, Ösel und Gotland sowie Halland als Pfand für 30 Jahre

Das machte es für uns Schnapphähne natürlich nicht ganz leicht, unsere Herren, Amtmann Caspar von Buchwaldt auf Pronstorf und König Christian von Dennemark an ihre Versprechen zu erinnern: Nach erfolgreichem Kampf gegen die Schweden war uns „Fryen Knechten“ doch die Befreiung aus allen herrschaftlichen Dienstbarkeiten in Aussicht gestellt. Darüber hinaus war uns der freie Holzschlag in herrschaftlichen Hölzungen versprochen, um unsere zerstörten Häuser wieder aufzubauen – immerhin waren im zurückliegenden Torstensonkrieg ja ganze 296 Bauernstellen in elf Dörfern zerstört worden. Wir waren gespannt, ob die hohen Herren sich nach dem Krieg noch an ihre Versprechen erinnern würden …

Unser Plakat dazu >

Segeberger-Schnapphähne-Aktion-August-2019

Nachgeschichte:

In den Jahrzehnten nach dem Frieden von Roskilde (1658) entwickelte sich in Schonen, Halland und Blekinge wieder ein Guerillakrieg der (dänisch gesinnten) Bevölkerung gegen die neue schwedische Staatsmacht. Der Guerillakrieg gegen die Schweden war im Norden und Nordosten der Provinz bitter und blutig und hörte erst um 1715/20 allmählich auf. Die Guerillakämpfer wurden von den Schweden abwertend als „Snapphanar“ bezeichnet. Der letzte Freischütz, Nils Tuasen, wurde 1700 hingerichtet.

Snapphanar-Denkmal in Lönsboda (Schweden), hier ließ König Karl XI. am 19. April 1678 auf der Jagd nach Schnapphähnen alles zerstören und befahl die Tötung sämtlicher männlicher Einwohner, um keinen der Schnapphähne entkommen zu lassen.

Snapphanar sind in Schweden beliebte Spielfiguren …

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